Donnerstag, 1. April 2010

Orgullosa de mi tierra

Ja, ja. Ich weiß, ich werde immer kolumbianischer. Man hört und sieht wochenlang nichts von mir und plötzlich steh ich da als wäre nichts gewesen. Was soll ich dazu sagen? Man gewöhnt sich an alles. Und bei stetigen 39°C geht halt alles ein bisschen gemächlicher.
Fünf Wochen habe ich jetzt in der Bibliothek gearbeitet. Nachdem mein Vater mich drei Wochen besucht hatte fiel es mir sehr schwer wieder in den Alltag rein zu kommen. Doch die Menschen dort haben es mir überraschenderweise viel einfacher gemacht als erwartet. Die meiste Zeit habe ich mit anderen kolumbianischen Jugendlichen zusammengearbeitet, die in ihrer Freizeit anderen Kindern bei den Hausaufgaben helfen oder den Nachmittag gemeinsam gestalten. Ganz freiwillig, genau wie ich. Diese fünf Wochen sind unglaublich schnell vergangen und ich habe durch die viele Arbeit mit gleichaltrigen noch eine ganz andere Seite Montebellos kennengelernt. Jetzt habe ich aber erst mal Ferien. In ein paar Stunden fliege ich nach Cartagena und verlasse mal wieder mein geliebtes Cali. Nun ja, sind wir mal ehrlich, die Karibik ist jetzt kein so schlechter Tausch, aber trotzdem lässt man immer ein bisschen in dieser niemals ruhenden Stadt zurück, was einem dann fehlt.
Auf der anderen Seite wird mir mit jeder Reise deutlicher, was für ein unglaublicher Reichtum sich hier in Kolumbien befindet, an Artenvielfalt jeglicher Lebewesen, netten Menschen und Gesten, Landschaften...
Hier ein kleiner Eindruck, diesmal ohne viele Worte ;)
















..."Ein Land mit so viel verschiedenen Kulturen ist ein Land, das alles hat um niemals auf zu hören zu wachsen." Hoffentlich :)








































































Ich habe Zeit zum Durchatmen und Nachdenken. Voller Stolz und Zufriedenheit schaue ich auf die Eindrücke und Erfahrungen der letzten Monate zurück. Stolz und zufrieden mit den Erfahrungen, aber genauso mit Kolumbien, ein Land in dem ich auch ein kleines Stück Heimat gefunden habe, was teilweise auch mein Land geworden ist.

Dienstag, 9. Februar 2010

Ich habe mich verliebt. Maßlos. In einen kleinen Jungen von elf Jahren. Ok, er ist ein bisschen jung und heiraten werden wir wohl auch nicht, aber selten zuvor hat mir ein Mensch so ein Lächeln auf die Lippen gebracht, wenn er den Raum betritt und man kann sich nicht vorstellen wie gern ich ihm zuhöre, wenn er in den Pausen in die Bibliothek kommt, mir von seinen Interessen erzählt, Sachen fragt um die Welt zu verstehen, mir im Unterricht mit seinen Scherzen ab und zu auf die Nerven geht oder einfach nicht still sein kann... Das entschädigt er aber auch wieder mit seiner Aufmerksamkeit, seiner schnellen Auffassungsgabe und seiner enormen Kreativität. Dieser Junge hat eine so herzliche Art, dass man ihn einfach lieben muss! Jeden Tag habe ich mich gefreut ihn zu sehen und wie das halt so ist, denkt man, man würde die Menschen einschätzen können, sie verstehen oder sie sogar vielleicht zu kennen. So habe ich mir vorgestellt wie er von seiner Mutter morgens geweckt wird, sich fertig macht, vielleicht zusammen mit seinen Eltern frühstückt, sich auf den Weg zur Schule macht, seine Freunde trifft und dann strahlend und gut gelaunt die Schule betritt, so wie ich ihn jedes Mal sehe.
Das ist leider nicht der Fall. Heute habe ich erfahren wie die Realität aussieht. Mein Liebling lebt nicht mehr bei seiner Mama, sondern mit seiner Großmutter zusammen, der Mutter seiner Mutter also, da sie stark drogenabhängig ist, ihre Schule abgebrochen hat und ihr jetzt, aber eigentlich viel zu spät, die Erziehung des Kindes verboten wurde. Der Junge wurde von seinem Vater sowie von ihr psychisch wie physisch schwer misshandelt, hat lange Zeit nicht geredet, musste drei Mal die erste Klasse wiederholen, weil er sich geweigert hat zu reden oder mitzuarbeiten und wurde immer wieder von seiner Mutter verstoßen, musste zur Großmutter ziehen oder wieder zu seiner Mutter zurück, weil sie ihn wieder haben wollte und das Sorgerecht hatte. Sein Vater will schon lange nichts mehr von ihm wissen und keiner weiß, wo er ist.
Vielleicht sogar besser so. Wie gesagt, zur Zeit lebt er mit seiner Oma und die ist unglaublich stolz auf ihren Enkel. Für sie ist er wie ihr eigener Sohn und als er aufgehört hat zu reden, Probleme gemacht hat, aufsässig und aggressiv war, war sie für ihn da und hat zu ihm gehalten. Jetzt ist sie erleichtert, weil sie sein Zustand und sein Verhalten erheblich gebessert haben, seit dem er Weg von seiner Mutter, ihrem neuen Mann und hier in Montebello auf der Schule ist. Leider können Menschen nicht von Luft und Liebe leben, auch keine Großmütter, die ihre Enkel vergöttern. Mich freut es sehr, dass dieser Junge jedenfalls einen Menschen hat, der ihn liebt. Aber dieser Mensch empfängt grade mal eine Rente von 300.000 kolumbianischen Pesos. im Monat. Das beträgt ungefähr 100 €. Davon muss sie die Miete bezahlen, ihre anderen zwei Söhne noch unterstützen und für meinen kleinen Schützling sorgen. Oft kann sie sich nicht mal einmal am Tag was zu Essen leisten und ist deshalb froh, dass ihr Enkel in der Schule alles bekommt. Er solle so wenig wie möglich davon mitbekommen und ihnen würde es immerhin besser gehen als vielen anderen...
Traurig aber wahr. Andere Familien müssen mit diesem Geld zehn Leute versorgen . Es ist auch nicht selten, dass eine Mutter von drei Kindern sich nachts prostituieren muss als einzige Einkunftsmöglichkeit während ihre Kleinen schlafen.
Ich wusste auch vorher, dass solche Geschichten existieren. Auch, dass es viele davon an unserer Schule gibt. Aber wenn man ein Kind kennen lernt, das so aufgeschlossen und interessiert wirkt, vielleicht ein wenig schüchterner als die Anderen, wenn man es im Gegensatz zu vielen so stabil einschätzt und auf einmal so einen Hintergrund erfährt... Man will sich nicht vorstellen, was andere erlebt haben, denen man es anmerkt wie schlimm sie misshandelt wurden.

Dienstag, 2. Februar 2010

5.20 Uhr am Morgen, ich konnte die Nacht vor Hitze unter dem Mückennetz kaum schlafen, meine Augen sind schwer und müde und lassen sich kaum öffnen... Aber mein Wecker gibt keine Ruhe. Ich drehe mich langsam zur Seite und taste im Dunkeln nach meinem Handy um das nervige Klingeln abzustellen.


























Weihnachten (so sah es hier in Cali zu der Zeit aus) ist jetzt schon ewig vorbei, die Zeit scheint einfach nur so zu rasen. So war beispielsweise grade erst der Unterricht am Freitag vorbei und man hat sich auf's Wochenende gefreut, da hat man es schon wieder Sonntagabend und ist so müde, dass das Duschen auf den nächsten Morgen verschoben wird.
Naja, das habe ich nun davon. Schlaftrunken schalte ich von meinem Bett aus das dämmrige Licht in meinem Zimmer an, schlupfe in meine Flipflops und schlurfe mit meinem Handtuch zu den Duschen.
Langsam beginnt es zu dämmern, aber wirklich langsam und da wir zur Zeit kein Licht im Bad haben, stelle ich mich im Dunkeln unter den Duschhahn. Ich beginne mich selbst zu überreden das Wasser aufzudrehen. Anscheinend bin ich nicht sonderlich gut darin. Nach einer halben Ewigkeit gelingt es mir doch und das eiskalte Wasser läuft über mich. Meine Duschzeit hat sich im Gegensatz zu Deutschland weit mehr als geviertelt. Nachdem ich es geschafft habe mit so wenig wie möglich, aber so viel Wasser wie nötig in Berührung zu kommen, muss ich mich etwas beeilen. Die Zeit, die ich beim Duschen spare, brauche ich leider um mich davor zu überreden.
Nachdem ich gefrühstückt habe heißt es also raus an die Straße und auf einen Jeep warten, der mich hoch nach Montebello nimmt.











In diesen kurz vor dem auseinanderfallenden Autos fahren wir über eine holprige Straße durch Montebello.



Die letzten Meter geht es dann noch zu Fuß. Auf diesem kleinen Stück begegnen einem viele Schüler und die kleinen Kinder, die einen anstrahlen, einem zu winken und rufen, lassen einen den schlechten Start in den Morgen vergessen.




Die erste Stunde beginnt und Victor betritt die Bibliothek. Jeden Morgen kommt ein Schüler zum lesen und schreiben üben. Selbst in der dritten und vierten Klasse gibt es noch Kinder, die mehr als große Schwierigkeiten haben. Trotzdem ist es meistens der schönste Teil des Tages, weil man seine ganze Aufmerksamkeit einem Schüler alleine schenken kann.

Nach zwei Geschichten beginnt die nächste Stunde und somit der Unterricht für mich. In der vierten Klasse bearbeiten Christina und ich mit den Kindern einen Fragebogen für eine deutsche Schule und in der zweiten wiederholen wir mit einem Kreuzworträtsel die englischen Tiernamen. Anschließend gehen wir nach draußen, damit sich die Schüler ein bisschen austoben können.
























Sobald es Zeit zum Frühstücken ist, rennen die Kinder los in die Mensa. Doch uns Mädels in der Bibliothek bleibt keine Pause. Kaum haben die Schüler ihr Essen, schauen sie vorbei um zu lesen, spielen und entspannen...


Nachdem die Kinder wieder in den Unterricht gehen, versuchen wir wieder ein wenig Ordnung zu schaffen. Plötzlich kommt ein lautes Hupen von außen. Kindergeschreie ist zu hören und als ich aus dem Fenster schaue, blicke ich auf eine riesige gelbe Fläche. Vor unserem Fenster steht der neue Schulbus, den das Colegio Aleman uns gespendet hat, und die Kinder sind außer sich vor Freude.












Nachdem jede Klasse einmal durch den Bus gelaufen ist und probegesessen hat, gehen alle wieder in den Unterricht und noch während des Mittagessens haben alle ein breites Grinsen auf dem Gesicht und erzählen mir stolz, was sie jetzt für einen tollen Bus besitzen.


Nach einer Portion Reis, Bohnen und etwas Suppe werden die restlichen Teller und Tassen weggeräumt, die die Kinder vergessen haben und mein Schultag ist zu Ende. Die Hitze schafft einen ziemlich und da es die letzten Tage (einschließlich heute) kein Wasser in der Schule gab, fällt das Nachmittagsprogramm für die Schüler aus.. Also geht es mit dem Jeep zurück.
Zuhause angekommen bleibt grade Zeit um was zu trinken und mit meinem Blogeintrag anzufangen. Grade schreibe ich das letzte Wort, schon kommen die restlichen Mädels in die Küche. Ab gehts in den Tanzunterricht. Nach knapp 2 1/2 Stunden lade ich grade noch die Bilder hoch und schon wieder ist ein Tag um.
Zwar keine Entschuldigung, aber vielleicht sorgt es für etwas Verständnis, dass mancher Blogeintrag auf sich warten lässt...

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Es Weihnachtet sehr...

So, diesen Artikel habe ich lange vor mich hingeschoben um ihn jetzt grade noch rechtzeitig an Weihnachten zu veröffentlichen. Um ehrlich zu sein war die Weihnachtszeit die Zeit, vor der ich am meisten Angst hatte. Weit weg von der Familie, in einer fremden Kultur, in ungewohntem Klima...
Eines Morgens wacht man auf, geht am bereits bekannten Rio Cali entlang, der durch die ganze Stadt führt, und bemerkt komische Figuren, bunte Lichter, viel Musik. Die Weihnachtszeit hat für die Kolumbianer begonnen, aber bei uns ist das alles noch ganz weit weg. Man schleppt sich also so durch den Dezember und macht sich hin und wieder in der Gruppe mal Gedanken wie das Weihnachtsfest bei uns denn aussehen soll. Während in Deutschland bis zu -20°C sind, schwitzen wir hier bei 40°C plus. Und um wieder auf die bunten Lichter zurück zu kommen... Hier wird nicht alles in schönem dezentem Weiß gehalten, ganz im Gegenteil; Hauptsache viel Licht, viel unrhythmisches Geblinke und so viele Farben wie möglich! Wie soll da Weihnachtsstimmung aufkommen?
Na ja, und der gewohnte Wintermantel wird gegen Stelzen ähnlich hohe Schuhe und kurze, kurze Kleider eingetauscht. Ok, jetzt sind wir an einem Punkt angekommen, der gar nicht sooo schlimm ist. Da ich dieses Jahr sowieso nicht "besinnlich" mit meiner Familie verbringen kann, habe ich so zumindest die Möglichkeit mich vollkommen mit Salsa, Bachata und Merengue beschallen zu lassen und richtigen Caleños und Caleñas beim Tanzen zu zu schauen. Jeden Tag gibt es ein anderes Event und wenn die Musik einen dann so einnimmt, dass man nicht mehr still sitzen kann, zeigen wir dann auch mal unsere ersten Fortschritte. Schließlich wollen wir Ende unseres Jahres auch richtige Salseras werden.
Ehrlich gesagt, ist das der Teil von Weihnachten hier mit dem ich mich wirklich anfreunden könnte, so für immer. Die Leute sind unglaublich aufgeschlossen, freundlich und gut gelaunt. Zudem sind die Menschen hier in der Adventszeit genauso drauf bedacht viel, viel Liebe zu verschenken und anderen zu helfen. Als wir unser Theaterstück in Montebello aufführen, kommen zusätzlich zu den Gästen viele Geschenke von den Schülern vom Colegio Aleman. Dort wurden "Cajas De Amor" gesammelt, gefüllt mit allen möglichen Geschenken, von Süßigkeiten bis Spielzeug, so dass wir jeder Familie eines übergeben können. Ich glaube die Fotos der Aufführung lasse ich ohne viel Wort für sich selbst sprechen. Dabei stellt auch ihr hoffentlich fest, dass andere Gewohnheiten vielleicht nicht die bisher gewohnten ersetzen können, einen möglicherweise kurz verwundern, aber dann ein breites Lächeln aufs Gesicht zaubern können und einem über das hinweg helfen, was man so sehr vermisst.





















Eine der schönsten Gesten war, den Heilig Abend zu einer Familie eines Freundes eingeladen zu werden und zwar mit den Worten "Wir wissen wie schwer es ist ohne seine Familie zu sein. Zwar können wir deine nicht annährend ersetzen, aber wir wollen dir zumindest einen Ort bieten, den du hier dein Zuhause nennen kannst, an den du dich jeder Zeit zurück ziehen darfst und wir würden uns freuen dich an Weihnachten und auch die restliche Zeit als einen Teil unserer Familie zu sehen." Ach, ich bin den Tränen nah, wenn ich es jetzt noch lese :) Aber trotz all der Zärtlichkeit, die in diesen Worte steckt, habe ich es abgelehnt. So viel Liebe bekommt man hier geschenkt und ich werde so viel wie möglich auch an diese Menschen zurürck geben. Aber nicht am Weihnachtsabend. Da kann ich irgendwie nicht mit einer anderen Familie sein.
Stattdessen sind wir zu dem Entschluss gekommen den Heilig Abend gemeinsam unter uns Weltwärtsleuten zu verbringen. Dafür haben wir verschiedenste Salate gemacht, Grillfleisch gekauft, den Garten schön hergerichtet... und natürlich Plätzchen gebacken.



















Es wird sicher kein gewöhnliches Fest, aber jetzt weiß man, was man Zuhause so alles hat. Mir fehlt der Schnee, das kalte Wetter, die gute deutsche Schokolade und die vielen schönen Weihnachtsmärkte, alles was hier in dieser Kultur etwas anders abläuft. Aber das, was mich an der Adventszeit hier am meisten stört ist, dass ich meine Familie nicht bei mir habe, nicht die Hitze, nicht die kurzen Kleider, nicht das kunterbunte Treiben, sondern die Nähe meine Liebsten.

In diesem Sinne, besinnliche Weihnachten :)


Dienstag, 17. November 2009

¡ Sobre el cielo !

So sieht es aus bei über 3000 Metern über dem Meeresspiegel auf dem Monserrate mit Blick auf die Hauptstadt Kolumbiens, Bogotá.


Ein paar Stunden zuvor befinden wir uns noch auf der Reise, ganze 10 Stunden fahren wir durch die Nacht. Die Strassen sind holprig und von der ansonsten atemberaubenden Landschaft ist leider in der Finsternis nichts zu sehen. Ich liege also auf meinem Sitz zusammengerollt mit einem Tshirt, zwei Pullis und einer Decke in diesem überklimatisierten Bus und sehne mich nach der warmen Briese Calis. Niemals hätte ich gedacht, dass ich mich an die 12 stunden am Tag scheinende, knallende Sonne gewöhnen (und erst recht nicht sie vermissen) würde. Doch ja, wirklich, mir gefällt es nicht zu frieren. Aber was soll's?! Nach einer Runde Schlaf sind wir bestimmt schon da und ich kann bestimmt wieder die warmen Strahlen spüren. Und wer sagt's denn?! Kaum daran gedacht, schlafe ich völlig erschöpft ein und werde erst Stunden später vom Tageslicht geweckt. Müde reibe ich mir die Augen und schaue nach draußen. Ok, es ist vielleicht ein bisschen bewölkt und die Klimaanlage lässt einen immer noch zittern, aber man sieht die Sonne. Sobald wir am Bahnhof ankommen, werd ich die Wärme spüren, ja, ja, ja. Gleich, gleich, gleich! Da seh ich schon den grosßn Terminal auf uns zukommen. Interessant, interessant, die Stadt scheint mir bis jetzt sehr hübsch. Endlich hält der Bus und die Leute stehen auf. Die Türen öffnen sich und ich komme dem Ausgang immer näher, mit einem breiten Grinsen steige ich die Stufe zur Tür hinaus und will die Wärme in Empfang nehmen.


Aber was ist das? Ich spüre nichts, was meinen verfrorenen Körper wieder auftaut. Was soll das? Wozu bin ich denn so nah am Äquator? Brrr, ich schaue Richtung Himmel und es ziehen Wolken auf. Toller Empfang. Ich war bis jetzt der Überzeugung, dass alle Kolumbianer übertreiben, wenn sie von der Kälte in Bogotá erzählen. So schlimm kann es ohne Schnee und allem was so dazu gehört ja gar nicht sein. Wir scheinen uns wirklich akklimatisiert zu haben. Bei einem kurzen Blick aufs Thermometer huscht mir ein Grinsen über das Gesicht. 20°C. Wirklich kalt ist was anderes... Trotzdem habe ich überall Gänsehaut und will ins Warme. Vielleicht ist es auch einfach die Erschöpfung und die Müdigkeit. Wir werden von Alvaro, einem guten Freund, der zurzeit in der Hauptstadt bei seiner Familie ist, inklusive Papa vom Bahnhof abgeholt und sie wollen uns zu unserem Hostel bringen. Davor müssen wir ihnen erst noch mal ganz deutlich sagen, dass wir wirklich nicht zu sechst bei ihnen wohnen wollen. Als sie dann nachgeben gehts' durch das regnerische und kalte Bogotá bis ins Zentrum.



Die Häuser sind wunderschön, selbst das schlechte Wetter kann unsere Stimmung nicht sonderlich trüben und ich fange an mich mit der Umgebung etwas anzufreunden, da erfahren wir, dass unsere Reservierung nicht existiert und das Hostel ausgebucht ist. Nun gut, immer noch liebevoll von Kolumbianern umsorgt, machen wir uns auf den Weg zum nächsten.


http://www.hostalfatima.com/index.php?option=com_content&task=view&id=5&Itemid=13

Schaut es euch einfach selbst an. Dieses Hostal bekommt von uns alle zu erreichenden Punkte, das Schicksal hat es wirklich gut mit uns gemeint.
Mittlerweile ist es leider schon Mittag und nach einem ausgiebigen Mittagessen sind wir alle zu müde um noch etwas Großes zu planen. Die schöne Unterkunft lädt gerade dazu ein, den restlichen Mittag gemütlich zu entspannen. Abends ist aber Schluss damit, denn wir wollen noch ein bisschen das Nachtleben testen und kommen sogar zu der Ehre Bogotá aus dem 40. Stock bei Nacht betrachten zu können.



















Nach diesem wirklich gelungenen Abend entschließen wir uns sonntagmorgens noch ein bisschen die Stadt zu besichtigen, ein paar Museen zu besuchen und die letzten Stunden in dieser Stadt zu genießen.























Der (im wahrsten Sinne des Wortes) absolute Höhepunkt ist die Ankunft auf dem Monzerrate, von dem wir den Ausblick auf Bogotá (von mehr als 3000m über dem Meeresspiegel) genießen können.



































Viele neue Eindrücken gesammelt packt uns doch langsam das Heimweh. Es geht also zurück, machen wir uns auf den Weg zurück ins warme Cali!



Wie dem auch sei. Bogotá ist wunderschön. Zwei Tage reichen lange nicht um genügend anzusehen. Noch eine Stadt, die jede Reise wert ist. Aber trotzdem, die schönste, freundlichste und herzlichste Stadt Kolumbiens bleibt Santiago de Cali !

Mittwoch, 4. November 2009

Paso a paso...

Nach einem Monat an der Deutschen Schule Cali haben wir uns auch hier eingelebt. Nicht, dass es uns sonderlich schwer gemacht wurde. Wir wurden von Anfang an mit offenen Armen empfangen und neben dem wunderbaren Essen hier gab es auch unglaublich viele neue Gesichter zu entdecken. Alles hier gleicht sehr europäischen Standarts und es ist unglaublich interessant auch die andere, weitaus wohlhabendere Seite Kolumbiens kennen zul ernen. Trotzdem haben wir die herzliche, offene Art und die liebevolle Atmosphäre Montebellos vermisst.

In der Semana de CAS haben wir die Möglichkeit bekommen mit einem Teil der elften Klasse hoch nach Montebello zu fahren und den Kindern dort etwas über Umweltschutz, Klimaerwärmung etc zu erzählen. Diese Chance unsere Schützlinge der einen Seite mit unseren Schützlingen der anderen Seite in Verbindung zu bringen lassen wir uns natürlich nicht entgehen.


Um ehrlich zu sein kamen wir uns bis jetzt am Colegio Aleman nicht wie Lehrer vor, da die ältesten Schüler doch um die 18/19 sind. Also genau in unserem Alter und dort Dominanz und Autorität vorzuspielen fällt doch ein wenig schwer. Das wird sich allerdings bald ändern...




Montag, halb acht, steigen wir also zusammen mit den 10 Schülern in den Bus und machen uns auf in die Berge nach Montebello. Die Fahrt durch Calis Zentrum verläuft ruhig, als wir jedoch die Grenzen zum Armenviertel passieren wird es still. Die Rucksäcke werden geschlossen, es wird gespannt, aber doch etwas misstrauisch aus dem Fenster geguckt und von der plötzlichen Motivation ein paar Kinder zu unterrichten ist nicht mehr so viel zu spüren. Na ja, wenn sie nicht wissen, was gut ist, zeigen wir's ihnen. Da der Bus den steilen und schmalen Weg bis hoch zur Schule nicht schafft, müssen wir den Rest laufen. Maike (meine Projektpartnerin) und ich mutig voraus, auf, auf, die Blonden zuerst. Als wir unseren geliebten Arbeitsort erblicken, breitet sich ein strahlendes Lächeln auf unseren Lippen aus. Zögernd kommt er der Rest der Truppe durch das Schultor und wir setzten uns in die Cafeteria um bis zur ersten Pause zu warten. Es klingelt, die Schüler kommen zum Frühstück und es fühlt sich genauso an wie die ersten Tage in Kolumbien. Strahlende Kindergesichter, alle wollen Beachtung, jeder will zeigen wie lieb er dich hat und schon ist die Pause um und die Gruppen (jeweils zu zweit) verteilen sich auf fünf verschiedene Klassen.














Maike und ich haben uns die zweite Stufe rausgesucht und gestalten den Vormittag mit einigen Geschichten, vielen Spielen und kleinen Fragerunden.



















Nach drei Stunden sind wir von der Kinderhorde schon ein bisschen müde und machen uns zum Pauseklingeln wieder auf den Weg in die Cafeteria. Hier sollen wir die Schüler des Colegio Alemans treffen um sie wieder zum Bus zu begleiten. Aber keine Schüler hier... Wir warten, keiner kommt. Plötzlich bemerken wir Stimmen, Geschrei und Gelächter. Wir stehen auf und schauen runter auf die Grünfläche auf denen die Kinder aus Montebello ihre Pausen spielend verbringen. Ein gewohntes Bild. Lachende, tobende Kinder. Doch nein, mittendrin unsere vorher noch so eingeschüchterten Schützlinge aus der Deutschen Schule. Jeder hat mindestens 5 Kinder um sich rum, auf der Schulter, am Rücken, um den Bauch... und sie strahlen.

































Bis wir ihnen sagen, dass ihr Bus auf sie wartet. Nur widerwillig lassen sie sich aus dem Tor rausbefördern und zum Bus bringen.Die ganze Gruppe ist wie ausgewechselt, statt unsicherem Geflüster hören wir jetzt lachende und diskutierende Jugendliche. Nachdem wir mit ihnen in den Bus gestiegen und sie aus Montebello rausbegleitet haben, steigen auch Maike und ich mit einem breiten, zufriedenen Lächeln aus...




Den nächsten Tag verbringen wir damit ganz Montebello zu besichtigen (was eine Tour von knapp 4 Stunden bergauf und bergab beinhaltet. Die Schüler lernen einen Teil ihrer Heimatstadt kennen, den sie zuvor noch nie gesehen haben und alleine niemals betreten würden. Es ist interessant die Eindrücke von etwas zu beobachten, was wir teilweise schon unser Zuhause nennen.















Mittwoch und Donnerstag arbeiten wir dann zusammen mit den Talleres. Es gibt einiges zu tun. Das Gelände, das Schulgebäude und die Cafeteria müssen für eine Präsentation vorbereitet werden und die Pasarella (der überdachte Weg vom Schulgebäude bis zur Brücke) ist immer noch nicht ganz fertig. Also auf in schwindelnde Höhne und ran an die Arbeit!


















(keine Angst Mama, viel höher als 3 Meter war es nicht! ;) )








Ich hatte wirklich Respekt vor dieser Arbeit. (Natürlich auch vor der Höhe, hihi, aber ) Vor allem vor dem Zusammentreffen zweier Jugendlicher völlig verschiedener Herkünfte. Niemals hätte ich erwartet, dass das Zusammenarbeiten so schnell so gut funktioniert. Trotz Anfangsschwierigkeiten und kleineren Komplikationen, haben wir etwas ins Rollen gebracht. Hoffen wir doch mal, dass da noch mehr Potenzial dahinter steckt!